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23. August 2015

Das Startup YourCar steht für Stadtmobilität und Nachhaltigkeit durch Carsharing ohne Stationen

Am 18.September launcht das Göttinger Startup YourCar sein Carsharing-Angebot.

Für unsere Leser haben sie bis dahin noch einen Rabattcode, der kostenloses Anmelden ermöglicht: STARTUPFREI.

Im Interview erzählen die Gründer Boris M. Hillmann und Andreas Behrens über ihren bisherigen Weg mit ihrem Unternehmen YourCar GmbH.

Wie ist die Idee zu YourCar entstanden?yourcar-carsharing-auto

B: In anderen Städten habe ich ähnliche Carsharing-Angebote kennengelernt. Ich fand die Ideen großartig und zugleich ausbaufähig. Dass in Göttingen so etwas fehlte, war mir sofort bewusst, weil ich selbst kein eigenes Auto besitze. Das war Ende 2011. Etwa ein halbes Jahr später stand dann ein Gründerteam und obwohl erste Umfragen und Erhebungen sehr positiv aussahen, war bis zur tatsächlichen Gründung Anfang 2015 noch ein weiter Weg zu gehen.

Wie waren die nächsten Schritte?

B: Wir fingen an, die harten Fakten zu sammeln. Einzugsgebiet, Bedarf, vor allem die Kostenseite ist bei Mobilitätsangeboten nicht unerheblich und daher waren auch Gespräche mit möglichen Partnern sehr wichtig. Ein zentrales Anliegen war die Integration von Nachhaltigkeitskonzepten in das Gesamtangebot. Wir nutzten das lokal und regional verankerte Beratungsnetzwerk, pitchten auf verschiedenen Netzwerkveranstaltungen und erhielten dadurch wertvollen Input. Schon früh wurde das Projekt auch durch den Inkubator des Zentrums für Entrepeneurship (ZE) der Privaten Hochschule Göttingen (PFH), das GO-E-LAB, unterstützt.

Der Businessplan war ein erster Meilenstein und wie sich herausstellte als Arbeitsgrundlage der entscheidende Faktor für das Gelingen der jungen Idee. Nahezu jedes Beratungsgespräch führte zur Überarbeitung, Ergänzung und Erweiterung der Businessplanes. So konnten Fortschritte nachvollzogen werden.
Besonders die Suche nach Geldgebern war sehr schwierig. Ich bin mir sicher, dass ohne einen detaillierten Businessplan und das aufgebaute Vertrauen für ein derart kapitalintensives Unternehmen keine Finanzierung hätte gefunden werden können.

Mit der Zeit transformierte sich das Unternehmen. Das Gründerteam veränderte sich, die Arbeit wurde intensiver. Ende 2013 stieß Andreas dann zum Team. Sein BWL-Hintergrund hat die Qualität des Businessplans noch mal deutlich steigern können. Dies und die insgesamt positive Entwicklung führte zu den ersten Zusagen für Kooperationen und Finanzierungen.

A: Je erfolgreicher wir arbeiteten, desto umfangreicher wurde die Arbeit. Wir konnten mehr Partner gewinnen und rückten dem Ziel immer näher, gleichzeitig wurden Absprachen und Abstimmungen immer wichtiger, denn jede Kooperation hat andere Prioritäten. Es sind nicht wenige Partner und Kooperationen, die zum Gelingen von YourCar beitragen.

Aber man muss sagen, dass es immer wieder Phasen gibt, die viel Geduld abverlangen. Teilweise mussten wir lange auf Entscheidungen warten, was im Nachhinein nachvollziehbar ist, aber im Tatendrang doch recht frustrierend sein kann. Die Ungewissheit ob es dann auch klappt war für uns beide sehr anstrengend.

Aber während der gesamten Zeit hatten wir durch die PFH und das ZE eine sehr gute Unterstützung erfahren, da sind wir sehr dankbar.

yourcar-logo@2x

Wie sind die Aufgaben bei euch verteilt?

B: Durch unsere Heterogenität sind die Aufgaben gut verteilt. Andreas hat Betriebswirtschaft studiert, ich Biologie und in Umweltökonomie geforscht. Ich habe mich vorwiegend um die Kommunikation gekümmert, alles rund um die Autos, und Kooperationen akquiriert.

A: Ein BWL-Hintergrund ist von Vorteil. Buchführung, Controlling – das Arbeiten mit den Tabellen übernehme ich. Auch die gesamte IT und Teile des Marketings liegen in meiner Hand. Gemeinsam entwickeln wir das Konzept immer weiter und kümmern uns um die klimafreundliche Ausrichtung, da uns diese besonders wichtig ist.

Was, meint ihr, sind wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Gründung?

A: Der Businessplan, wie gesagt, war unser fester Arbeitspunkt und Türöffner. Da ist es wichtig, sehr gründlich zu sein. Man verliert an Professionalität und Vertrauen, wenn man die Zahlen unverbindlich führt. Im Nachhinein betrachtet, war die heterogene Zusammensetzung des Teams ein wichtiger Schlüsselfaktor, der zur Gründung beigetragen hat.

B: Kommunikation! Der Kontakt darf nie abbrechen. Partner müssen von Entwicklungen erfahren, Probleme müssen besprochen werden. Es ist auch wichtig zu reflektieren, um Fehler schnell zu erkennen oder Prozesse zu verbessern.

Wer gründen will erfährt zwangsläufig Rückschläge und sieht sich riesigen Hindernissen gegenüber. In der ganzen Zeit sind Durchhaltevermögen bzw. Geduld für uns sehr wichtig geworden. Dann ist es wichtig, an die Idee zu glauben und den Willen nicht zu verlieren, es umsetzen zu wollen. Das gelingt gut, wenn man sich identifizieren kann und wenn die Idee so gut ist, dass man sein eigener Kunde sein möchte.

Die YourCar Gründer – Andreas Behrens und Boris M. Hillmann (v.l.)

Welche Vision verfolgt ihr mit der Gründung?

A: Kurz- und mittelfristig wollen wir YourCar natürlich in Göttingen etablieren und uns wirtschaftlich stabilisieren. Langfristig können wir uns vorstellen zu wachsen und unseren Ansatz von nachhaltiger Stadtmobilität auszuweiten.

B: Wir wollen den Ansatz der Nachhaltigkeit weiter vorantreiben. Unsere Flotte fährt fast nur mit Erdgas, das von unserem Partner den Stadtwerken Göttingen kommt. Das Gas ist schon über Ausgleichszertifikate klimaneutral gestellt. Wir wollen aber mit unseren Partnern lokal verankerte Mobilität mit Biogas umsetzen, das wäre dann ein Novum im Bereich der Stadtmobilität mit Carsharing.

Was meint ihr, muss in Göttingen getan werden, um die Bedingungen für Gründungen zu verbessern?

A: Wir haben mit Göttingen einen Standort mit einem vielfältigen Beratungsangebot verschiedenster Institutionen und sehr viel Potenzial. Nicht zuletzt das Gründertreffen von euch ist für viele sicherlich eine erste Anlaufstelle. Viele Ideen und Köpfe verlassen die Region aber wieder, weil nicht genug für den Gründergeist getan wird. Bei der ein oder anderen Hochschule besteht noch viel Potenzial für zusätzliches Engagement, um nicht nur gute Bedingungen sondern auch den Wunsch zur Selbstständigkeit zu fördern.

B: Ganz klar ist Gründung auch eine Geldfrage. Ich kann mir vorstellen, dass solche Regionen wie Göttingen von einem regionalen Fond profitieren würden. So wären kapitalintensive Gründungen viel einfacher zu realisieren. Besonders der Zugriff auf Risikokapital über bspw. ein Venture-Capital Netzwerk oder auch Business-Angel-Netzwerk, das Kontakte vermitteln kann, würde vieles leichter machen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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