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16. April 2015

Design Thinking & Lean StartUp für Unternehmen und Gründer

DesignThinkingStartupGoettingen

Design Thinking und Lean StartUp helfen seit einigen Jahren schneller, besser zu gründen und zu innovieren. In diesem Artikel möchte ich kurz die beiden Konzepte erklären, und sie dann kombinieren. Viele Experten fokussieren sich immer nur auf eine Methodik. Es gibt sogar Design Thinking Studiengänge und Zertifizierungen. Ich bin da pragmatischer, und versuche aus den unzähligen Methoden und Moden die besten Ansätze für konkrete Herausforderungen zusammenzubringen. In Vorbereitung auf den Workshop “Lean Startup trifft Design Thinking: In 2 Stunden von der Idee zum Prototypen am 16.05. möchte ich zeigen, warum Gründungen oder Innovationen in Unternehmen in sehr frühen Phasen (wenn die Idee noch unklar ist, oder man nicht weiss, ob die Idee ein echtes Problem löst) von einem Hybridansatz profitieren.

Schlank, schlanker, Lean StartUp

Ein geschätzter Mensch hat mal folgendes gesagt: “Die Übersetzung von Lean ins Deutsche ist schwierig. Da wird meist von schlank gesprochen — oftmals wird aber mager gemeint. So wie Laufstegmodels, die sich zig Kilos heruntergehungert haben. Doch Lean bedeutet eher, dass nicht nötiger Ballast abgeworfen wird. Der Schwimmer Michael Phelps ist in diesem Sinne Lean”.

Beim Lean StartUp ist das Ziel, alles, was nicht unmittelbar für die Validierung des Geschäftsmodelles nötig ist, zunächst zu vernachlässigen. Philip hat bereits einen schönen Einführungsblogpost veröffentlicht.

Das Lean Canvas als Darstellungsform des Geschäftsmodells ist das Herzstück beim Lean Startup Konzept. Es ermöglicht den Gründern auf einen Blick die wichtigsten Anspruchsgruppen, Parameter und Annahmen ihres Konzeptes im Auge zu haben.

Viele Gründer stellen sich aber oft die Frage, auf welcher Basis sie die verschiedenen Bereiche des Canvas befüllen. Das Feld “Solution” deckt sich in der Realität meist mit der ersten Gründungsidee. Entsprechend schnell ist es eingetragen. Aber welches Problem löst die Idee eigentlich? Und wie unterscheidet sie sich von bereits etablierten Lösungen? Wer sind Konsumenten und Käufer? Und wie erreiche ich sie?

Diese Fragen könnt ihr beantworten, indem ihr euch an der Methodik des Designs Thinking orientiert — dessen Herzstück der “human-centered”-Ansatz ist.

Denken wie ein Designer — oder: Bauen, Testen, Neubauen

Design Thinking beschreibt einen Innovationsprozess, der sich an tatsächlichen potenziellen Nutzern eines Produktes oder einer Dienstleistung orientiert. Er bringt die Nutzerperspektive (welche Bedürfnisse?), die technische Perspektive (funktioniert das?) und die wirtschaftliche Perspektive (rechnet sich das?) zusammen.

Einige Charakteristika von Design Thinking Projekten:

  • Interdisziplinarität: Menschen mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen aus verschiedenen Abteilungen und Hierarchiestufen kommen zusammen.
  • Unplanbarkeit: Niemand weiß am Anfang, welches Ergebnis herauskommt.
  • Kollaborationskultur: Es geht nur ums Thema. Titel zählen nicht. Man duzt sich, trägt gemütliche Klamotten, man baut auf Ideen anderer auf, statt sie zu kritisieren.
  • Machen statt Reden: Lego, Pappe, Kartoffeln, Post-Its, Marker und alles was ihr euch sonst vorstellen könnt, wird als Material für Ideenvisualisierungen verwendet. Merksatz: Ein Prototyp ist so viel wert wie 100 Meetings.

Im Prozess kommen viele verschiedene Methoden aus unterschiedlichen Disziplinen zum Einsatz. Das könnt ihr euch für eure Geschäftsidee zu Nutze machen.

Die sechs Phasen im Design Thinking

Je nach Detaillierungsgrad besteht der Design Thinking Prozess aus sechs Phasen: Verstehen, Beobachten, Synthese, Ideen, Prototypenbau, Test.

Verstehen: Worum geht es bei dem Problem? Welche Menschen betrifft es? Wo ist es thematisch verortet? In diesem Schritt müsst ihr viel recherchieren: Studien lesen, Fachartikel durchforsten, Statistiken aufsaugen, mit Experten sprechen.

Beobachten: Ihr geht nach draußen. Je nach Projekt beobachtet ihr Menschen oder sprecht mit Ihnen. Ihr müsst versuchen Nutzerbedürfnisse zu entdecken, ohne selbst mit euren Interpretationen oder Ideen Antworten vorwegnehmen. Faustregel: Ihr redet 10%, Euer Gegenüber 90%.

Synthese: Ihr “werft” eure Eindrücke mit denen anderer Teams zusammen. So entdeckt ihr viele verschiedene Perspektiven. Hört euch gegenseitig gut zu, und macht euch bei Fragen oder Ideen Notizen auf Post-Its. Die Mammutaufgabe dieser Phase: Die verschiedenen Perspektiven so verdichten, dass ihr zum Schluss einen idealtypischen Nutzer (Persona) beschreiben könnt und eine Fokusfrage entwickelt: “Wie können wir es Person A ermöglichen ihr Bedürfnis zu befriedigen, ohne dieses Hindernis?”

Ideen: Nutzt verschiedene Brainstormingformate, um möglichst viele Ideen zu sammeln, um obige Fokusfrage zu beantworten, und eure Persona glücklich zu machen. Wichtig: Keine Kritik, egal wie abgedreht Ideen sein mögen. (In einem Workshop hatte jemand mal die Idee Menschen eine besondere Urlaubsalternative anzubieten: Zu Hause unter LSD Einfluss und mit Holographietechnologie…).

Prototyp bauen: Wenn ihr euch für eine oder mehrere Ideen entschieden habt, baut ihr einen Prototypen. Das kann ein funktionaler Prototyp sein, also etwas, das schon genau so funktioniert, wie ein fertig entwickeltes Produkt. Oder auch ein Storytellingprototyp, der zeigt, wie ihr das Bedürfnis eurer Persona befriedigt. Wichtig: Schnelligkeit geht vor Perfektion.

Testen: Jetzt testet ihr den Prototyp an potentiellen Nutzern. Zeigt ihnen den Prototyp, lasst sie selber ausprobieren und sammelt soviel Feedback wie möglich. Danach geht es in die Iteration (Wiederholung eines Teilprozesses).

Ein Design Thinking Projekt kann von fünf Tagen bis zu mehreren Monaten Zeit in Anspruch nehmen. Für Gründer, die wenig Zeit haben, oder auch für Unternehmen, die sich im Bereich Intrapreneurship (Gründungen in Unternehmen) aufstellen wollen, halte ich reine Design Thinking Projekte für überdimensioniert.

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